18.03.2022
Ein Seilbahngesetz ohne Seilbahnen
Der sperrige Begriff „Subsidiarität“ bewegte gestern die zwanzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Online-Workshops des Kolping-Diözesanverbands Limburg zur „Christlichen Soziallehre“. In der Diskussion nach dem einführenden Vortrag des Duisburger Journalisten und ehemaligen Kolping-Pressesprechers Heinrich Wullhorst füllte sich der Begriff mit Leben. Subsidiarität besagt, dass im politischen, aber auch kirchlichen Raum die Obrigkeit nur dann eingreift, wenn die Angelegenheiten des täglichen Lebens und des Glaubens nicht auch durch die die bürgernahe Basis geregelt werden können. Beispiele für massenhafte Basiskompetenz zeigten sich zum Beispiel bei der Bewältigung der Pandemie, der Katastrophenhilfe bei den Überflutungen entlang des Rheins und bei der Flüchtlingshilfe sowohl 2015 als auch jetzt im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine.
Kritik kam auf an der Regelungskompetenz kirchlicher Obrigkeit, die sich in der praktischen Ausübung des Glaubens nicht flexibel genug zeige und von Rom abwärts weltweit alles einheitlich regeln wolle. Auch das vereinte Europa tue sich keinen Gefallen, wenn eine undurchschaubare Bürokratie unverständliche Regelungen für den ganzen Kontinent treffen wolle. Als Beispiel wurde das Hessische Seilbahngesetz angeführt, das der Landtag nach Vorgaben aus Brüssel verabschieden musste, obwohl es im Land nur eine Seilbahn gibt.
Auf kirchlicher Ebene, so die Teilnehmenden, entstehe durch Großgemeinden eine zunehmende Entfremdung zwischen Pfarrleitung und Basis.
Der vierte Workshop, diesmal zum Thema „Solidaritätsprinzip der christlichen Soziallehre – mehr als ein Kampfbegriff“ findet am Donnerstag, 28. April, von 19.00 Uhr bis 21.00 Uhr statt. Anmeldungen sind bis zwei Tage im Voraus unter info@kolpingwerk-limburg.de möglich.