04.02.2021
Heiliger Blasius, bitte für deine Kirche!
Zum Schutz gegen eine ganze Reihe von Krankheiten wird der heilige Blasius angerufen. Der zu den 14 Nothelfern der Kirche zählende Bischof von Sebaste in der heutigen Türkei hat der Legende nach einem jungen Mann das Leben gerettet, der an einer Fischgräte zu ersticken drohte. Deshalb soll der allseits beliebte Blasiussegen, den auch der Limburger Bischof Georg Bätzing anlässlich seines Gedenktages gestern spendete, ganz besonders vor Halskrankheiten bewahren.
Schlimmer als jedes Halskratzen ist jedoch die Sprachlosigkeit, mit der die katholische Kirche ihre Gläubigen wegen ihrer größten selbstverursachten Krankheit regelmäßig zurücklässt: Verlust von Glaubwürdigkeit zum Erhalt von Macht. Symptome lassen sich dafür zu Genüge finden. Im zurückliegenden Jahr hat eine Instruktion der Klerus-Kongregation aus dem Vatikan all jenen Laien und insbesondere Frauen aus den deutschen Pfarreien massiv vor den Kopf gestoßen, die sich für den Synodalen Weg engagieren. Reformprozesse sind offenbar auch zu Zeiten, in denen es bereits fünf vor zwölf schlägt, keine Stärke der katholischen Kirche. Zum Glück bleiben inklusive des Kolpingwerkes weiterhin viele Personen und Institutionen aktiv an Bord, um sich aller Rückschläge zum Trotz weiterhin für dringend notwendige Reformen zu bemühen – „einzig und allein aus Liebe zu meiner Kirche, zu meinem Glauben“, wie immer wieder mit aufkommender Resignation zu vernehmen ist.
Ganz aktuell sorgt mit Rainer Kardinal Woelki jedoch einer der mächtigsten deutschen Oberhirten selbst für einen neuen Einbruch an Glaubwürdigkeit weit über die Grenzen seines Erzbistums Köln hinaus – und das im Rahmen des schon vor vielen Jahren an die Öffentlichkeit gekommenen Missbrauchsskandals. Er zählt zu den dunkelsten Kapiteln der Kirchengeschichte, seitdem war eine steigende Anzahl von Kirchenaustritten zu verzeichnen. Schmerzliche Jahre, aus denen die Kirche gelernt hat, sollte man meinen.
Wen wundert es also, dass Woelkis Entschluss auf Unverständnis stößt, ein von ihm selbst bei der Anwaltskanzlei Westpfahl-Spilker-Wastl (WSW) beauftragtes Gutachten zu sexualisierter Gewalt in seinem Erzbistum wegen methodischer Mängel doch nicht zu veröffentlichen? Während das Kirchenvolk auf eine neue Begutachtung warten soll, hätte er Journalistinnen und Journalisten einen 20-minütigen Einblick in den offenbar brisanten aktuellen Text gewährt, sofern sie eine Verschwiegenheitserklärung abgegeben hätten. Die Presse hat auf den Maulkorb dankend verzichtet und wie zuletzt der Diözesanrat kündigen viele eine weitere Zusammenarbeit mit Woelki auf. Seine heutige Stellungnahme mit der Behauptung, er kenne den Inhalt des WSW-Gutachtens selbst nicht, überzeugt in keiner Weise.
Geht Aufarbeitung noch unglaubwürdiger? Wohl kaum, wie die Reaktionen zeigen. Noch schwerer als einen Impftermin zu ergattern, ist in Köln derzeit nur, beim Amtsgericht einen Termin für den Kirchenaustritt zu erhalten: Bis Ende April ist alles ausgebucht. Selbst der Kölner Stadtdechant Robert Kleine, oberster Repräsentant der katholischen Kirche in der Stadt, äußert sich, dass er derzeit niemandem einen Austritt aus der Kirche verdenken könne.
So ernüchternd die Situation ist, so offensichtlich liegt die Lösung auf der Hand: Im 21. Jahrhundert können Kirche und ihr Personal nur durch Offenheit und Transparenz allmählich Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Das Bistum Limburg kann ein Lied davon singen. Das Kolpingwerk Diözesanverband Limburg schließt sich den zahlreichen Kölner Gremien an und fordert Kardinal Woelki zur Übernahme von Verantwortung auf – damit nicht noch mehr Gläubigen ihre Kirche zum Hals raushängt. Denn dagegen ist selbst der heilige Blasius machtlos.
04.02.2021, Kolpingwerk Diözesanverband Limburg