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Kirchenkabarett mit Ulrike Böhmer

Kirchenkabarett mit Ulrike Böhmer
Kirchenkabarett mit Ulrike Böhmer
© KF Lahnstein St. Martin

Erna Schabiewski kam vom Ruhrpott nach Lahnstein

 „Kirche könnte so schön sein, wenn nur die Leute nicht wären“, so sinnierte die Landpomeranze Erna Schabiewski im gut besuchten Pfarrzentrum am Europaplatz. Die Kolpingsfamilie St. Martin hatte die Kirchenkabarettistin Ulrike Böhmer aus Iserlohn mit dem Programm „Glück auf und Halleluja“ ans Rhein-Lahn-Eck eingeladen. Böhmers Alter Ego, die Kunstfigur Erna kommt mit Pepitahütchen in rotem Kostüm und mit ihrer Handtasche auf die Bühne. Sie stellt sich als die rechte und linke Hand des Pfarrers vor, obwohl ihr der Pfarrer mittendrin abhanden gekommen ist: „Wegen dem ganzen Fusionieren.“ Es sind Kirchengeschichten aus dem Leben, die das Publikum immer wieder zur Selbstbespiegelung einladen: Das kennt man, auch in Lahnstein!  Die Kabarettistin freut sich über den Dialog mit dem Auditorium. Es stellt sich heraus, dass Besucher auch aus Hillscheid oder Koblenz gekommen sind. „Ist schön hier bei Euch in Lahnstein. Vor allem im Dunkeln“, bemerkt Erna im Ruhrpottjargon und führt weiter aus: „Ihr gehört ja zum Bistum Limburg. Dass ihr das überlebt habt…“ Mehr Worte bedarf es nicht. Auch das Mimikspiel der Akteurin zeigt immer wieder Lachfalten bei den Zuschauern. So zum Beispiel, wenn Erna schauspielert, wie die unterschiedlichsten Typen beim Kirchenbesuch durch den Mittelgang schreiten. Man lacht über ihre Verrenkungen und Blicke, wenn sie versucht das Gemälde von „Michael Angelo“ in der Sixtinischen Kapelle darzustellen, als Adam durch den Gottvater mit ausgestrecktem Finger erweckt wird. Sie schildert ihre Erlebnisse beim Karfreitagsgottesdienst in der ihr  fremden evangelischen Kirche ohne Heizung im Bergischen Land. „Wenn die Kälte so vom Kirchenboden inne Beine zieht, dann ist nix mehr mit Nickerchen während der Predigt.“ Freundin Hilde hilft sie aus der Ehekrise mit gutem Zureden und Eierlikör. Wenn Jesus nicht hilft, dann eben die Gottesmutter Maria: „Es ist doch gut, wennste katholisch bist: Dann haste immer eine Alternative.“ Sie gibt einfache Tipps zur „Gestaltung der Mitte“ bei Besinnungstagen. Oft sei schon etwas Laub von draußen ausreichend. Lachmuskeltherapie, als sie erzählt, wie schwierig es ist, den Erstkommunionkindern ein Samenkorn des Glaubens einzupflanzen. Der sich auf dem Sofa räkelnde pensionierte Ehemann Herbert denkt beim Blättern im Kirchenblättchen über seine „Vivi Probati“ nach.  Aktuell geht sie so auf die „Amazonas-Synopse oder so…“ ein. Beim Einkehrtag im Hildegardiskloster werden alle Speisen mit Dinkel zubereitet, was die körperliche Wirkung nicht verfehlt. Beim Kindesmissbrauch durch Priester oder der nicht geklärten Verteilung von Flüchtlingen innerhalb der Europäischen Union redet Erna Tacheles. Das bringt sie in Wallung.

Es macht Freude, den Gedankengängen der Kabarettistin mit spitzer Zunge zu folgen. Die Figuren aus ihren Geschichten tauchen immer wieder auf und vereinen sich zum guten Schluß zum großen Fest unter der Devise: Gott wohnt immer dann unter uns, wenn völlig unterschiedliche Menschen sich gemeinsam für etwas begeistern können. Häufigem Schmunzeln und Szenenbeifall folgt ein lange anhaltender Schlussapplaus eines zufriedenen Publikums.

Nach dem Bühnenauftritt signierte die ehemalige Pastoralreferentin von Dortmund-Eving bereitwillig Bücher und CDs.

Kolping-Vorsitzender Markus Schild überreichte ein Weinpräsent und lud zum nächsten Kolping-Kirchenbabarettabend am 18. April 2020, dann im Jugendkulturzentrum mit Heri Lehnert und anderen, ein. Das Kirchenkabarett wird dann als Benefizveranstaltung zugunsten eines Projektes im Internationalen Kolpingwerk durchgeführt.