27.01.2022
Der Staat greift immer mehr ein
Frankfurt am Main (26. Januar 2022).- Die christliche Soziallehre hat die führende Rolle, die sie einst in Kirche und Gesellschaft spielte, eingebüßt. Die Teilnehmenden des Auftakts eines sechsteiligen Workshops des Kolping-Diözesanverbands Limburg am 24. Januar waren sich einig, dass immer noch Chancen bestehen, Themen wie Solidarität, Subsidiarität und Gemeinwohl auch unter christlichen Aspekten in den öffentlichen Diskurs zurückzuführen. Dies bedeute aber, dass sich christlich orientierte Politikerinnen und Politiker wieder auf die Wurzeln ihres politischen Handelns besinnen und dies auch nach außen bekennen.
Kolping-Diözesanvorsitzender Sebastian Sellinat bedauerte in der online geführten Diskussion, dass die Reflektionsräume für Sozialreformbewegungen wie die Kolpingfamilie weitgehend abhandengekommen seien. Die Bedeutungshoheit hätten heute säkulare Kräfte. Sellinat und andere vermissen die theoretische Fundierung, die einst von Denkern wie Oswald von Nell-Breuning ausging. Es gebe es keine herausragenden Persönlichkeiten mehr, die das soziale Gewissen der Kirche glaubhaft repräsentierten.
Vor der Diskussion machte der Experte Heinrich Wullhorst aus Duisburg die rund dreißig Teilnehmenden aus mehreren Diözesen mit den Grundlagen der christlichen Soziallehre vertraut und ging dabei besonders auf die Enzykliken der Päpste seit Rerum Novarum von 1891 ein. Zu denen, die das Geschriebene in die Praxis umsetzten, gehörte Adolph Kolping mit dem katholischen Gesellenverein.
In den Workshops nannten die Teilnehmenden aktuelle Beispiele für die Umsetzung der Christlichen Sozialethik, namentlich die gegenseitige Hilfe bei den Flutkatastrophen an Ahr und Rhein und die tätige Nächstenliebe in der Pandemie. Heute gebe es viele ökumenisch aufgestellte soziale Gruppen, die sehr effizient arbeiteten. Doch der Staat nehme unter Verletzung des Prinzips der Subsidiarität zu wenig Rücksicht auf das Angebot nichtstaatlicher Stellen.
Der nächste Workshop der sechsteiligen Reihe wird sich am Dienstag, 15. Februar 2022 von 19 bis 21 Uhr online mit dem Thema „Der Mensch bleibt Mensch“ befassen. Interessierte können jederzeit einsteigen, ohne alle Teile der Workshopreihe wahrnehmen zu müssen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Weitere Informationen unter kolpingwerk-limburg.de/beitrag/christliche-soziallehre-online-workshopreihe/