07.12.2021
EU verletzt bewusst das Menschenrecht von Flüchtlingen
Frankfurt, 7.12.2021
Das Kolpingwerk Diözesanverband Limburg befürchtet, dass die Lage der Flüchtlinge bei der Fülle der aktuellen Berichterstattung zur Pandemie und dem Regierungswechsel aus dem Blick der Öffentlichkeit und der Politik gerät. „Wir haben uns deswegen der von Pax Christi angeregten Kampagne ‚Menschenrecht statt Moria‘ zur Situation der Geflüchteten an den EU-Außengrenzen angeschlossen“, erklärte Kolping-Diözesanvorsitzender Sebastian Sellinat heute in Frankfurt.
Innerhalb der Allianz werde sich das Kolpingwerk Diözesanverband Limburg mit anderen für einen lösungsorientierten Dialog mit der Politik und der Zivilgesellschaft einsetzen, damit die Geflüchteten den anerkannten Menschenrechten gemäß behandelt werden könnten und nicht wie menschlicher Abfall, betonte Sellinat.
Das Lager in Moria auf der griechischen Insel Lesbos, an das das Motto der Kampagne erinnert, sei nach dem verheerenden Brand im September vergangenen Jahres zwar längst geräumt, sein Name stehe aber für eine unmenschliche Flüchtlingspolitik mit einer zunehmenden Zahl von ertrunkenen oder auf dem Festland umgekommenen Flüchtenden. „Das Dulden unterlassener Hilfeleistung der Seenotrettung, die Machtspiele mit Flüchtenden an der polnisch-weißrussischen Grenze, illegale Rückführungsaktionen und die Zusammenarbeit mit einer korrupten libyschen Küstenwache habe das Wertefundament der Europäischen Union erheblich beschädigt, stellte Sellinat fest. Hier gebe es eine regelrechte Handlungsblockade in der EU, in Griechenland und in Polen, die dem Geschrei offenbar wahlentscheidender Populisten geschuldet sei.
Die unter unmenschlichen Bedingungen in unzureichenden Quartieren festgehaltenen Flüchtlinge sollten bis zum Frühjahr durch geordnete Aufnahmeverfahren in die Länder der EU verteilt werden, fordert das Kolpingwerk Diözesanverband Limburg. Das Schleusertum, das die Menschen um den Rest ihrer Habe bringe und ins Verderben führe, müsse entschiedener bekämpft werden.
Im vergangenen Jahr hatte sich das Kolpingwerk Diözesanverband Limburg an der ebenfalls von Pax Christi initiierten Aktion „Kein Weihnachten in Moria“ beteiligt. Bundestagsabgeordnete wurden von ihnen persönlich bekannten Kolpingmitgliedern angeschrieben und gebeten, mit einem interfraktionellen oder fraktionsübergreifenden Antrag des Deutschen Bundestages die Bundesregierung aufzufordern, aus dringenden humanitären Gründen alle Menschen aus den Flüchtlingslagern auf den griechischen Ägäis-Inseln so schnell wie möglich in Deutschland aufzunehmen. Die Antworten der meisten Abgeordneten waren, so Sellinat, „eher unverbindlich“.