17.04.2020
Ostern
Der Karfreitag läutet das letzte Wochenende der Fastenzeit ein. Nach der Kreuzigung Jesu passiert etwas Wunderbares, Hoffnungsvolles, Unvorstellbares. Es übersteigt die Grenzen des menschlichen Verstandes. Und dennoch sät es Hoffnung - Hoffnung, dass etwas Neuartiges geschieht. Und Zuversicht - die Zuversicht, dass es irgendwie weiter geht. Und dass dieses „irgendwie“ positiv verläuft.
Unsere aktuelle Lage ist für mich auf sehr abstrakte Weise vergleichbar mit Ostern. Alles ist anders, neuartig, merkwürdig. Und dennoch ist dort ein bisschen Platz für Hoffnung. Ich spüre die Entschleunigung in den letzten 4 Wochen, verbringe viel Zeit mit meinem Mann zu Hause. Beschäftige mich mit mir selbst, suche mir neue Herausforderungen. So übe ich mich beispielsweise in Geduld, indem ich puzzle. Aber ich genieße auch die Pausen draußen. Ich gehe spazieren, fahre mit dem Rad oder jogge. Ich habe Feld, Wald und Wiese vor der Tür. Und verspüre eine große Dankbarkeit, dies trotz der Ausgangsbeschränkungen genießen zu dürfen. Draußen bin ich mit all meinen Sinnen bei mir und in der Natur. Spüre das aufblühende Leben im Frühling, die Natur erwacht wieder zum Leben. Trotz Corona. Sie folgt ihrem inneren Zeitplan, lässt sich von uns Menschen nicht beirren. Und zeigt uns die Vielfalt der Schöpfung. Überall sind die bunten Knospen zu entdecken.
Auch ich vermisse Familie und Freunde. Aber Kontakt halten geht trotzdem. Ich nehme mir bewusst Zeit um mit ihnen zu telefonieren. Auch gibt es kreative Wege und Möglichkeiten mit Freunden in Interaktion zu sein. So haben wir beispielsweise per App einen Spieleabend miteinander verbracht. Die räumliche Distanz fällt auf Dauer schwer, aber sie ist dank der modernen Technik, aushaltbar. Und in Zeiten wie diesen ist es mir möglich, darüber nachzudenken, wer ich bin, was mir wichtig ist, wer mir wichtig ist. Wie ich mit meinem Gegenüber umgehen möchte. Wie ich auch einmal „Danke, dass es dich“ gibt sagen kann.
Und trotz der merkwürdigen Zeit, die wir gerade durchleben, bin ich optimistisch und voller Zuversicht. Es wird weitergehen. Irgendwie. Manches wird sich wandeln. Die Debatte um systemrelevante Berufe, deren Anerkennung und Entlohnung, wird im Nachgang hoffentlich eröffnet. Und auch denkt der ein oder andere über sein Konsumverhalten nach. Überlegt sich, ob der Kauf von Kleidung wirklich notwendig ist. Ob der regelmäßige Wechsel des Smartphones sein muss. Ob der Urlaubsflug für möglichst wenig Geld sein muss. Oder ob der Einkauf online stattfinden muss.
Auch regt es zum Nachdenken an. Die Natur zeigt sich im Vorhandensein des Virus in ihrer vollen Wucht. Sie zeigt uns unsere Endlichkeit auf. Aber sie zeigt auch das Potenzial auf, was in jedem von uns schlummert. Jeder kann nach links und rechts schauen, seine Nachbarn fragen, ob sie Hilfe benötigen. Und die Händler vor Ort unterstützen.
Das Virus zeigt uns gerade einen Wandel auf, es zwingt uns zu Veränderungen. Auch bringt es Unsicherheit mit sich. Und dennoch beinhaltet es auch die Zeit zum Neuanfang. Zum Wandel. Zum drüber Nachdenken. Zum Abwägen von Pro und Contra. Nach einer langen Zeit der Entbehrung geschieht etwas Hoffnungsvolles. So wie an Ostern. So wie Jesu Auferstehung. Denn:
Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost was kommen mag, Gott ist mit uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag (Zitat von Dietrich Bonhoeffer).
(Annika Schmidt, AG Schöpfungsverantwortung, Diözesanvorstand Kolpingwerk Limburg)